Autor: Volker Schmees

  • Empfehlungsverfahren 2019/8 der Clearingstelle EEG/KWKG – „Kaufmännisch-bilanzielle Weitergabe im KWKG”

    Empfehlungsverfahren 2019/8 der Clearingstelle EEG/KWKG – „Kaufmännisch-bilanzielle Weitergabe im KWKG”

    Die Clearingstelle EEG/KWKG hat eine Empfehlung zum „Verfahren 2019/8 – „Kaufmännisch-bilanzielle Weitergabe im KWKG” veröffentlicht. Wir haben uns mit einer Stellungnahme an dem Verfahren beteiligt. Unsere Vorschläge wurden zum größten Teil in der Empfehlung berücksichtigt:
     
    1. Das Recht auf kaufmännisch-bilanzielle Weitergabe von in KWK-Anlagen
    erzeugtem Strom in das Netz der allgemeinen Versorgung besteht insbesondere
    (a) für KWK-Anlagen mit einer elektrischen KWK-Leistung von bis zu
    100 kW gemäß § 4 Abs. 2 KWKG 20162 (Abschnitt 3.1),
    (b) für KWK-Anlagen mit einer elektrischen KWK-Leistung von mehr
    als 1 MW und bis zu 50 MW in der Ausschreibung gemäß § 8a KWKG 2016 (Abschnitt 3.2),
    (c) für innovative KWK-Systeme gemäß § 8b KWKG 2016 (Abschnitt 3.3) sowie
    (d) für KWK-Anlagen in Kundenanlagen oder Kundenanlagen zur betrieblichen Eigenversorgung gemäß § 20 Abs. 1d EnWG3 bzw. § 14 Abs. 2 KWKG 2016 a. F.4
    sowie für KWK-Anlagen, die gemäß § 4 Abs. 3b KWKG 20125 in elektrische Anlagen einspeisen. (Abschnitt 3.4).
     
    2. Weiterhin besteht insbesondere für KWK-Anlagen mit einer elektrischen
    KWK-Leistung von mehr als 100 kW gemäß § 4 Abs. 1 KWKG 2016 das
    Recht auf kaufmännisch-bilanzielle Weitergabe von in den KWK-Anlagen
    erzeugtem Strom in das Netz der allgemeinen Versorgung aufgrund
    des generellen Rechts auf kaufmännisch-bilanzielle Weitergabe für
    KWK-Anlagen gemäß KWKG 2016 und KWKG 2012 (Abschnitt 3.5).
     
    3. Für mittels kaufmännisch-bilanzieller Weitergabe in das Netz der allgemeinen Versorgung mittelbar eingespeisten KWK-Strom besteht gemäß
    §§ 6 Abs. 1, 7 Abs. 1 KWKG 2016 , 8a Abs. 2 KWKG 2016 ein Zuschlagsanspruch maximal in Höhe der KWK-Nettostromerzeugung (Abschnitt 4.1).
     
    4. Es obliegt Anlagen- und Netzbetreibern, Einigkeit darüber herzustellen,
    wie die zuschlagfähige Strommenge im Hinblick auf tatsächliche und
    rechnerische Transport- und Umwandlungsverluste zu ermitteln ist (Abschnitt 4.2).
     
    5. KWK-Anlagenbetreibern steht die Entscheidungsfreiheit darüber zu, ob
    der gesamte KWK-Nettostrom kaufmännisch-bilanziell weitergegeben
    oder ein Teil zur Eigenversorgung oder Drittbelieferung verwendet
    werden soll („kaufmännisch-bilanzielle Überschusseinspeisung“, Abschnitt 4.3).
     
    6. Grundsätzlich ist die Strommenge, für die der KWK-Zuschlag mittels
    kaufmännisch-bilanzieller Weitergabe beansprucht wird, auf Grundlage
    messtechnisch ermittelter Werte zu bestimmen (Abschnitt 5). Bei der
    Anwendung der in Abschnitt 5 für unterschiedliche Fallkonstellationen
    dargestellten Messkonzepte ist grundsätzlich bei Berücksichtigung der
    jeweils angegebenen Rechenvorschrift eine korrekte Ermittlung der
    zuschlagfähigen Strommenge möglich.

    Die vollständige Empfehlung finden Sie rechts unter Downloads.
  • vedec zum CO₂-Preis – Verteilung muss an Energieeffizienzkriterien gekoppelt werden

    vedec zum CO₂-Preis – Verteilung muss an Energieeffizienzkriterien gekoppelt werden

    Um weitere Anreize für den Klimaschutz zu setzen, sollte bei der Aufteilung des CO₂-Preises Effizienzkriterien herangezogen werden. Dabei sollte sowohl der Effizienzgrad des Gebäudes an sich, wie auch der Effizienzgrad der energetischen Versorgung berücksichtigt werden. Tobias Dworschak, vedec-Geschäftsführer: „Damit der CO₂-Preis auch seine volle Wirkung entfalten kann, ist es unbedingt erforderlich, dass die Verteilung des CO₂-Preis an Energieeffizienzkriterien geknüpft wird. Konkret schlagen wir vor, für die Bewertung des Gebäudes den Energieeffizienzausweis als Kriterium zu nutzen und bei der energetischen Versorgung den Jahresnutzungsgrad der Energieerzeugungsanlagen.“

    Die Messung des Wärmeverbrauchs ermöglicht es erst, einen ineffizienten Betrieb zu erkennen und Verbesserungsmaßnahmen zielgenau zu veranlassen. Ob die vom Vermieter betriebene Zentralheizung effizient läuft, kann im Regelfall nicht kontrolliert werden, weil man nur die verbrauchte Brennstoffmenge, nicht aber die damit erzeugte Wärmemenge kennt. Ein Wärmemengenzähler, der die im Kessel erzeugte Wärmemenge misst, schafft die nötige Transparenz. Entsprechend würden Wärmemengenzähler sehr dabei helfen, eine gerechte Verteilung der CO₂-Kosten zu ermöglichen. 

    „Wir setzen uns bereits seit vielen Jahren für den verpflichtenden Einbau von Wärmemengenzählern ein. Wärmemengenzähler schaffen die notwendige Transparenz und ermöglichen eine gerechte Verteilung der CO₂-Kosten.“ so Dworschak weiter.

    Weitere Informationen sowie ein Positionspapier des vedec zum verpflichtenden Einbau von Wärmemengenzählern sind auf www.vedec.org erhältlich.

    Positionspapier
  • Neues Contracting-Fördermodul im Rahmen der EBN-Förderrichtlinie geplant ab 2021

    Neues Contracting-Fördermodul im Rahmen der EBN-Förderrichtlinie geplant ab 2021

    Im Rahmen des Bund-Länder-Fachaustausch Energiespar-Contracting 2020 am 01.12.2020 berichtete Dr. Wissmann (BMWi) von einem neu geplanten Contracting-Fördermodul für 2021. Gefördert werden soll u.a. eine Orientierungsberatung für Energiespar-Contracting. Das Programm soll in die BAFA-Förderrichtlinie „Energieberatung für Nichtwohngebäude, Anlagen und Prozesse – EBN“ integriert werden.

    Laut BMWI werden Energiedienstleistungen (EDL) mit Einspargarantien zur Beschleunigung der Sanierungsraten, Entlastung der Gebäudeeigentümer (finanziell + personell) und Qualitätssicherung (garantierte Zielerfüllung) benötigt.

    Zielgruppen sind vornehmlich Kommunen, aber auch offen für KMU und gem. Organisationen.

    Folgende Eckdaten gelten:
    – Mindestens 100.000 € Energiekosten im Jahr des Gebäudepools
    – Förderung bei Energiekosten bis zu 300.000 € maximal 7.000 €
    – Förderung bei Energiekosten über 300.000 € maximal 10.000 €

    Weitere Informationen

  • Polizeiakademie Niedersachsen

    Polizeiakademie Niedersachsen

    Foto: © Polizeiakademie Niedersachsen
    E1 Energiemanagement GmbH

    Ansprechpartner: Michael Pietzner
    Tel.: 0172 4008843
    E-Mail: michael.pietzner@e1-energie.com
    26129 Oldenburg
    Das Land Niedersachsen schrieb Anfang 2018 durch das Staatliche Baumanagement Ems-Weser für die Liegenschaft Polizeiakademie Niedersachsen, Studienort Oldenburg, über ein Verhandlungsverfahren mit vorgeschaltetem Teilnahmewettbewerb ein Energieeinspar-Contracting aus mit dem Ziel, Energieverbrauch und -kosten sowie CO2-Emissionen möglichst umfassend und wirtschaftlich zu reduzieren. Ein Baukostenzuschuss seitens des Auftraggebers war dabei nicht vorgesehen.

    Mit Einverständnis der zwei zuständigen Ressorts, dem Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport und dem Niedersächsischen Finanzministerium, sowie der nutzenden Verwaltung, der Polizeiakademie Niedersachsen, wird dieses ESC-Projekt vom Staatlichen Baumanagement Niedersachsen durchgeführt. Das Staatliche Baumanagement Ems-Weser hat die Berliner Energieagentur (BEA) für die gesamte Projektdurchführung und Begleitung des Nutzers beauftragt.

    Die Polizeiakademie Niedersachsen wird an ihrem Studienort Oldenburg seit dem 01.01.2020 die Energiekosten und CO2-Emissionen halbieren.
    Von einem privaten Energiedienstleister Energiesparmaßnahmen in einer landeseigenen Liegenschaft in Niedersachsen mittels Energieeinspar-Contracting durchführen zu lassen, stellt mit der Polizeiakademie Niedersachsen, Studienort Oldenburg, ein Pilotprojekt dar.

    E1 hat rund 1,87 Mio. Euro in neue technische Anlagen investiert und ermöglicht damit langfristig einen energieeffizienten Betrieb der Liegenschaft. Dazu gehörten u.a. ein BHKW (zwei Module) sowie neue Erdgas-Brennwert-Heizkessel. Außerdem erfolgte der Umbau des gesamten Wärmeverteilnetzes einschließlich Pumpenerneuerung und hydraulischem Abgleich und die Erneuerung der Trinkwarmwasserversorgung, die Ausstattung der Haupt- und Nebengebäude mit fernauslesbaren Zählern, die Installation von über 2.800 LED-Leuchten im Innen- und Außenbereich sowie die Erneuerung der MSR-Technik und die Aufschaltung von DDC-Unterstationen und Zählern auf Gebäudeleittechnik- und Energiemanagement-Plattform (Cloud-Lösung). Aufgrund des großen Geländes und der notwendigen Verbrauchs- und Komfortüberwachung wurden in das MSR-Konzept auch Funkübertragungswege mit IoT-Devices integriert.
    ECKDATEN DES PROJEKTS
    Öffentl. Gebäude (Bund/Land)
    Schule/Kindergarten
    Sportstätte

    Bestandsgebäude
    Energieagentur
    Staatliches Baumanagement Niedersachsen (Staatliches Baumanagement Ems-Weser und Niedersächsisches Landesamt für Bau und Liegenschaften)
    42.000 m2
    19 Gebäude
    2018
    12 Jahre
    Druckluft/Belüftung
    Nahwärme
    Licht
    Strom
    Wärme
    Warmwasser
    Erdgas
    BHKW (100 kWel 210 kWth)
    Brennwertkessel (2.300 kW)
    Foto: © E1 Energiemanagement GmbH
    Beleuchtung
    Fernwartung
    Hydraulischer Abgleich
    Lüftungstechnik
    MSR/Gebäudeleittechnik
    Optimierung der Heizkreisparameter
    Pumpenaustausch
    Umbau des Heizungsnetzes
    Wärmemengenzählereinbau
    Wärmeverteilung
    Warmwasserbereitung
    1.870.000,00 EUR
    413.397,00 EUR/a
    195.620,00 EUR/a
    7.697 MWh/a
    5.088 MWh/a
    1.049 t CO2
    47,6 %
    413.397,00 EUR
    217.777,00 EUR Energiekosten
    52,68 %
    ERFAHRUNGEN
    Gemäß entsprechender Kabinettsbeschlüsse und Erlasslagen in Niedersachsen sind mögliche Contracting-Projekte in Landesliegenschaften dahingehend zu untersuchen, ob sie sich auch für eine Umsetzung eignen. Die Eignung des Studienortes Oldenburg der Polizeiakademie Niedersachsen für ein Energieeinspar-Contracting wurde im Vorfeld zum durchgeführten Verhandlungsverfahren durch die vom Staatlichen Baumanagement Niedersachsen beauftragte Berliner Energie Agentur festgestellt.
    Energieverbrauch und -kosten sowie CO2-Emissionen können mit Energieeinspar-Contracting möglichst umfassend und wirtschaftlich reduziert werden, ohne eigene Mittel für die Finanzierung der Umsetzung einzubringen. Ein Großteil der technischen Bestandsanlagen war abgängig, da ein wirtschaftlicher Betrieb nur noch schwer zu ermöglichen war.
    Es sind keine Hindernisse bekannt.
    „Das Energieeinspar-Contracting ermöglicht neben direkten Investitionen in die energetische Verbesserung von Landesgebäuden, ohne zusätzliche Haushaltsmittel energetische Maßnahmen in betriebstechnische Anlagen umzusetzen.“ (Finanzminister Reinhold Hilbers)
    „Neben den positiven Aspekten beim Umweltschutz bewirken die Maßnahmen für uns als Polizei zugleich eine deutliche Aufwertung des Standortes, an dem immerhin rund 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landespolizei ihren Dienst versehen.“ (Direktor der Polizeiakademie Niedersachsen, Carsten Rose)
    Über die Vertragslaufzeit von 12 Jahren, in der sämtliche anfallenden Kosten (Anlageninstallation, Vorfinanzierung über E1, Wartung und Instandhaltung an umgebauten Anlagen, Störungsbeseitigung) über die Einsparung abgedeckt werden, liegt die Verantwortung für den reibungslosen und energieeffizienten Anlagenbetrieb bei E1. E1 garantiert zudem den wirtschaftlichen Erfolg des Projektes über die abgegebene Einspar-Garantie. Die von E1 eingebrachten Anlagen sind mit erfolgter Abnahme durch die Polizeiakademie Niedersachsen im Beisein und unter Mitwirkung des Staatlichen Baumanagement Ems-Weser in das Eigentum des Landes Niedersachsen übergegangen und könne nach Vertragsablauf ohne weitere Kosten durch das Land weiter betrieben werden.
    Das Projekt zeigt erfolgreich, dass Energieeinspar-Contracting signifikant zur Reduzierung von Energieverbrauch und CO2-Emissionen beiträgt und dieses mit einer Umsetzung von Energiesparmaßnahmen ohne Einbringung außergewöhnlicher technischer Besonderheiten.

    Die Umsetzung des Projektes erfolgt in enger und regelmäßiger Abstimmung zwischen allen Projektbeteiligten bei vollem Betrieb der Polizeiakademie. Der wirtschaftliche Erfolg des Projektes zeichnet sich bereits im ersten Vertragsjahr ab. Die gute Zusammenarbeit aller beteiligten Parteien wirkt sich dabei auf das Projekt förderlich aus.

    Das Projekt gewann den von der Zeitschrift „Energie und Management“ und dem vedec ausgelobten Contracting Award 2020. Die Verleihung, die in diesem Jahr online stattgefunden hat, können Sie unter YouTube noch einmal ansehen.
  • Vergabe zur Evaluierung der WärmeLV ist erfolgt

    Vergabe zur Evaluierung der WärmeLV ist erfolgt

    Bekanntermaßen stellt die Wärmelieferverordnung große Hürden für die Umstellung auf Wärmelieferung im Mietwohnbestand dar. Die Regelungen haben nach unserer Wahrnehmung des Marktes zu einer deutlichen Reduzierung von Umstellungen geführt. Dabei spielt der Gebäudebestand eine Schlüsselrolle beim Erreichen der Klimaziele und der Reduzierung des Energieverbrauchs.

    Auch deshalb haben wir die Arbeitsgruppe „WärmeLV 2020“ ins Leben gerufen. Mit Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Unternehmen, Energieagenturen und Verbänden arbeiten wir hier gemeinsam an konkreten Vorschlägen für eine Weiterentwicklung der WärmeLV.

    In einem ersten Schritt haben wir mit den in dieser Arbeitsgruppe engagierten Verbände in einem Schreiben an das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) für eine zielgerichtete Evaluierung der WärmeLV geworben. Diese Anregung hat Ende vergangenen Jahres das BMJV dazu endlich veranlasst, die WärmeLV zu evaluieren.

    Nach über einem Jahr Wartezeit hat das BMJV nun die Evaluierung an die Prognos AG gemeinsam mit Partnern vergeben. Wir werden das Verfahren intensiv begleiten und unsere Vorschläge zur Verbesserung der WärmeLV einbringen. 

    Wir erhoffen uns hiervon den dringend benötigten Impuls, um eine Novelle der WärmeLV im Sinne des Klimaschutzes und des Erfolgs der Energiedienstleistungen voran zu treiben. Weitere Informationen zu der konkreten Ausschreibung finden Sie hier.
  • Verbändeanschreiben zur geplanten Einstellung der Energieagentur NRW

    Verbändeanschreiben zur geplanten Einstellung der Energieagentur NRW

    Überrascht und mit Unverständnis haben die unterzeichnenden Verbände einer Pressemitteilung des NRW-Wirtschaftsministeriums entnommen, dass die Einstellung der bisherigen EnergieAgentur.NRW, zum Ende des Jahres 2021 geplant ist. Die Arbeit der EnergieAgentur.NRW wird bundesweit als eines der leuchtenden Beispiele dafür wahrgenommen, wie gute Informationsarbeit über Energieeffizienztechnologien und den praktischen Einsatz Erneuerbarer vom Privathaushalt über die Wohnungswirtschaft, Hotellerie- und Gastwirtschaft sowie Gewerbe bis hin zur Industrie optimal praktiziert werden kann. Das Land Nordrhein-Westfalen wird aufgrund dieser beispiellosen Arbeit der EnergieAgentur.NRW bundesweit als Vorreiter wahrgenommen. Diese bestehende Reputation in NRW und auch die hervorragende Arbeit für die Bürger und Unternehmen in NRW sehen die unterzeichnenden Verbände durch die nicht nachvollziehbare Ankündigung, die EnergieAgentur.NRW abzuwickeln, gefährdet und empfehlen dringend, die EnergieAgentur.NRW in der bewährten Form weiterzuführen.

    Das vollständige Anschreiben finden Sie rechts von der Meldung unter Downloads.
  • Bundesregierung muss bei EU-Renovierungswelle vorangehen

    Bundesregierung muss bei EU-Renovierungswelle vorangehen

    48 Verbände haben in einem am 10.11. veröffentlichten Brief an die Bundesregierung appelliert, sich im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft für die Umsetzung der „Renovation Wave“-Strategie der EU-Kommission einzusetzen und von europäischen Investitionshilfen für energetische Gebäudemodernisierung in Deutschland Gebrauch zu machen. Unterzeichnet wurde der Brief von einer außerordentlich breiten Koalition aus Immobilienverwaltern, Baugewerbe, Handwerk und Industrie bis zu Verbraucherschützern und Umweltverbänden.

    Der „Renovierungswelle“ genannte Vorschlag der EU-Kommission wurde am 14. Oktober veröffentlicht und sieht eine Novelle der maßgeblichen EU-Richtlinien sowie milliardenschwere Investitionshilfen für die EU-Mitgliedsstaaten zur Verdopplung der energetischen Gebäudemodernisierung vor. Die Initiative ist ein Flaggschiffprojekt des Europäischen Green Deals von Ursula von der Leyen, der verstärkten Klimaschutz und wirtschaftliche Erholung nach der COVID-19-Krise miteinander verbinden soll.

    Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft habe sich bislang nicht öffentlich dazu geäußert, merken die Verbände an, und formulieren ein klares Anliegen: „Bitte nutzen Sie die verbliebenen Wochen bis zum Jahresende, um Unterstützung im Rat der EU und im Europäischen Rat für die Renovation Wave zu mobilisieren und der EU-Kommission damit ein starkes Mandat für die Ausarbeitung der Regulierungsvorschläge zu geben.“ Bis Ende 2020 koordiniert Deutschland die Verhandlungen um den künftigen EU-Haushalt, das 750 Milliarden Euro schwere EU-Investitionspaket zur Konjunkturbelebung und die Verhandlungen zu einer möglichen Anhebung des CO₂-Ziels im Rahmen eines EU-Klimaschutzgesetzes.

    Auch hat Deutschland noch keine Ideen vorgelegt, welche zusätzlichen grünen Investitionsprogramme sich für eine Ko-Finanzierung aus den dafür vorgesehenen EU-Konjunkturtöpfen eignen würden. Von diesen Hilfen solle Deutschland Gebrauch machen, fordern die Verbände, und etwa mit neuen Sonderprogrammen in die energetische Modernisierung von Schulen sowie in die Aus- und Weiterbildung von Baufachkräften investieren.

    Zuletzt habe in Deutschland dank verbesserter Förderkonditionen die Nachfrage nach energetischen Modernisierungen spürbar zugenommen. Allerdings reiche das aktuelle Niveau noch bei Weitem nicht aus, um die Energie- und Klimaziele zu erreichen. Tobias Dworschak, vedec Geschäftsführer: „Die Renovierungswelle der EU bietet für Deutschland große Chancen für den Klimaschutz. Jetzt gilt es entschlossen zu handeln und die aktuellen Benachteiligungen von Energiedienstleistern in vielen Bereichen, wie beispielsweise dem EEG oder der Wärmelieferverordnung, zu beseitigen. Denn nur Energiedienstleister haben auch das nötige Know How, um die notwendige Renovierungswelle auch mit einem hohen Grad an Energieeffizienz umzusetzen.“

    Den vollständigen Appell finden Sie rechts von der Meldung unter Downloads.
  • Gebäudesektor muss effizienter und regenerativer werden

    Gebäudesektor muss effizienter und regenerativer werden

    Die Energiedienstleistungs-Branche steht vor großen Herausforderungen, wenn sie weiterhin eine wichtige Rolle beim Erfolg der Klima- und Energiewende spielen will. „Wir sind davon überzeugt, dass wir dies sollen und können. Und gleichzeitig müssen wir weiter beherzte Schritte gehen – Schritte auf dem Weg zum klimaneutralen Energiedienstleister und zur Klimaneutralität unserer Kunden. Der drohende Klimakatastrophe kann nur durch Mut und Entschlossenheit begegnet werden; und durch Handeln.“ so Tobias Dworschak, vedec-Geschäftsführer im Rahmen des vedec-Jahreskongress, der aufgrund der Corona-Krise erstmalig digital stattfand.

    „In den vergangenen 30 Jahren, die der Contractingverband nun besteht, hat sich vieles verändert. Es hat sich so vieles verändert, dass wir diesen Veränderungen und insbesondere den künftigen Herausforderungen Rechnung tragen wollen. Wir haben deshalb eine Neugestaltung unserer Marke und damit verbundenen einen neuen Namen auf den Weg gebracht. Aus dem VfW wird vedec, der Verband für Energiedienstleistungen, Effizienz und Contracting. Dieser Schritt erfordert auch von uns Mut, denn der VfW hat sich in den vergangenen Jahren erfolgreich als Marke für Contracting etabliert. Dennoch leisten unsere Mitglieder heute so viel mehr als nur Wärme zu liefern.“ so Dworschak weiter.

    Wärmesektor braucht Veränderungen

    Eine der Referentinnen war in diesem Jahr Dr. Simone Peter, Präsidentin des Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE). Sie machte deutlich, dass im Wärmesektor die Erneuerbaren Energien deutlich ausgebaut werden müssen. Hier fehle es seit Jahren an Dynamik, obwohl gerade dieser Sektor nach wie vor einen hohen Anteil an fossilen Brennstoffen aufweise.

    Einen Überblick über den Gebäudebereich gab BEE-Referent Nils Weil. Der Gebäudebereich hat insgesamt einen Anteil von 55 % des gesamten Energiebedarfs hierzulande. Das entspricht einer jährlichen Emissionslast von 400 Mio. t CO₂. „Leider gibt es im Gebäudesektor kaum Dynamik, den Einsatz sowie den Anteil erneuerbaren Energien zu erhöhen“, sagte Weil beim Jahreskongress. Dies liege unter anderem auch an regulatorischen Fehlanreizen. Auch das novellierte Gebäudeenergiegesetz (GEG) sei aus Sicht des BEE enttäuschend. Man hätte sich seitens des Verbands mehrere Punkte gewünscht, unter anderem einen verbindlichen Ausbaupfad für Erneuerbare im Gebäudesektor sowie eine Ausweitung des Betriebsverbots von alten Heizkesseln auf die Niedertemperaturkessel. Die CO₂-Bepreisung ab nächstem Jahr sowie die kommende neue Bundesförderung für effiziente Gebäude sind laut dem BEE hingegen positiv zu bewerten.

    Auch Nils Bormann von der Deutschen Energieagentur betonte auf dem Kongress, dass Gebäude effizienter und klimaschonender werden müssen. „Energiewende ohne den Gebäudesektor funktioniert nicht“, so Bormann. Um die Klimaziele zu erreichen, muss der Primärenergiebedarf im Gebäudesektor um 80 % bis ins Jahr 2050 reduziert werden. Dafür müssten rein rechnerisch ab jetzt täglich 1.000 Wohneinheiten saniert werden. Insgesamt gibt es in Deutschland rund 21 Millionen Gebäude. Das sei eine „Mammutaufgabe“, so Bormann weiter. In diesem Bereich könnten gerade Contractingmodelle den Sanierungsstau erheblich abmildern. Er nannte gerade das Energiespar-Contracting (ESC) für öffentliche Liegenschaften als gute Option, die es gelte, öfter zu nutzen.

    Bei „Quartierskonzepten sind erhebliche Reduktionen beim CO₂-Ausstoß im Gebäude-, Energie- und Verkehrssektor möglich“, betonte Referent und Mitglied des Juristischen Beirats im vedec, Dr. Dirk Legler von der Kanzlei Rechtsanwälte Günther. Hier gäbe es zwar rechtlich Vieles zu beachten. Legler: „Aber wer, wenn nicht die Energiedienstleister, können die technischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Herausforderungen der sektorübergreifenden Quartiersversorgung bewältigen und so auf eine effektive Umsetzung der Klimavorgaben hinwirken“.

    „Wir als Verband werden uns auch mit neuem Namen weiterhin intensiv für die Schaffung besserer Rahmenbedingungen für die Energiedienstleistung Contracting einsetzen – sowohl auf Anbieterseite, wie auch auf Mieter- und Kundenseite. Dazu gehören zum Beispiel die Schaffung besserer Bedingungen für die Umsetzung von Contracting-Geschäftsmodellen im Rahmen der Wärmelieferverordnung oder unser Input bei der Diskussion zum Thema Kundenanlage.“ so Dworschak abschließend.
  • Neuer Name, neues Gesicht, neue Ausrichtung: Aus VfW wird vedec

    Neuer Name, neues Gesicht, neue Ausrichtung: Aus VfW wird vedec

    28.10.2020 | Die Energiedienstleistung Contracting ist schon lange keine reine Wärmelieferung mehr. Moderne Contracting-Projekte zeichnen sich durch eine hohe Effizienzsteigerung aus und tragen durch den Einsatz von hocheffizienter Kraft-Wärme-Kopplung in Kombination mit Erneuerbaren Energien und E-Mobilität einen wichtigen Beitrag für den Klimaschutz bei. Die bisherige Bezeichnung „VfW (Verband für Wärmelieferung)“ ist daher irreführend und entspricht nicht dem, was die Verbandsmitglieder heutzutage umsetzen und für was der Verband steht. Daher erfolgt die Umbenennung in vedec – Verband für Energiedienstleistungen, Effizienz und Contracting.

    Tobias Dworschak, vedec-Geschäftsführer: „vedec ist die Schnittstelle zwischen Politik und Contracting-Branche. Dafür stehen wir im regen Austausch mit politischen Akteuren auf allen Ebenen und verbessern durch diese Kommunikation die Rahmenbedingungen für das Contracting als Geschäftsmodell insgesamt.“

    „Auf inhaltlicher Ebene liefern wir Impulse sowohl für aktuelle Gesetzesvorhaben als auch für politische Grundsatzthemen im Energiebereich. Dazu gehören zum Beispiel die Schaffung besserer Bedingungen für die Umsetzung von Contracting-Geschäftsmodellen im Rahmen der Wärmelieferverordnung oder unser Input bei der Diskussion zum Thema Kundenanlage. Dies geschieht neben persönlichen Kontakten zu Abgeordneten und Ministerien durch die regelmäßige Veröffentlichung von Kommentaren, Stellungnahmen und Positionspapieren, durch die wir gestalterische Impulse zur laufenden politischen Entwicklung liefern.“ so Dworschak zur inhaltlichen Ausrichtung von vedec.

    Die an vedec angeschlossenen Beiräte und Arbeitskreise sind mit hochklassigen Fachleuten und Experten besetzt, dadurch kann vedec das breite Spektrum energiepolitischer Themen mit größtmöglicher Kompetenz abdecken.

    „Für uns ist die praktische Umsetzung der Energiewende und damit die Einbindung des Contractings in die klimaschonende Wirtschaft von morgen von größter Wichtigkeit. Denn wir sind überzeugt: Contracting leistet einen wichtigen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele und kann technologieoffen, effizient und nachhaltig noch weitere große Potenziale erschließen.“ ergänzt Dworschak.
    Zu einem neuen Namen und Selbstverständnis gehört auch ein neuer Internetauftritt. Deswegen wurde im letzten Jahr eine neue Internetseite für den Verband von professioneller Hand gestaltet, die am Tag des Jahreskongresses (28.10.2020) online geht. Unter www.vedec.org finden Sie in Zukunft alle relevanten Informationen im neuen, übersichtlichen Gewand. Einsteiger bekommen einen eigenen Bereich gewidmet, in dem die fachlichen Grundlagen laiengerecht aufbereitet werden. Contracting-Experten finden in unserem neuen Themen-Bereich kompakt und fokussiert aufbereitete Informationen zu allen Fragen aus dem Bereich der Energiedienstleistungen. Besonderes Augenmerk liegt zudem auf dem komplett neu aufgesetzten Veranstaltungsangebot, welches an einen komfortablen und modernen Online-Shop angeschlossen ist.

    „Corona-bedingt sind wir mit dem neuen Auftritt und dem neuen, interaktiven Mitgliederbereich noch nicht da, wo wir sein wollten“, sagt Dworschak im Hinblick auf die Internetseite. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, alle Inhalte verfügbar zu machen. Für den Prozess der Veränderung bitten wir um Verständnis. Wir sind aber weiterhin auch noch über www.energiecontracting.de erreichbar.“
  • Contracting-Award 2020

    Contracting-Award 2020

    von links nach rechts: E&M-Chefredakteur Stefan Sagmeister, E&M-Redakteurin Heidi Roider, Geschäftsführer von E1 Stephan Weinen, vedec-Geschäftsführung Tobias Dworschak sowie Richard Kerl, Prokurist von E1 Energiemanagement (v.l.n.r) Bildquelle: Thomas Müller/E1 sowie E&M
    Der diesjährige Contracting-Award – gestiftet von der Fachzeitschrift Energie & Management und dem vedec – Verband für Energiedienstleistungen, Effizienz und Contracting e.V. (ehemals VfW) – geht in diesem Jahr an die Nürnberger E1 Energiemanagement GmbH. Das Unternehmen überzeugt mit einer preiswürdigen energetischen Modernisierung der Polizeiakademie Niedersachsen.


    Contracting-Award 2020 – 1. Platz geht an E1 Energiemanagement

    Contractingmodelle sind wegweisende Instrumente zur Erschließung kostensparender und umweltentlastender Vorhaben in der Energieversorgung. Die Ausschreibung des seit mehr als 20 Jahren regelmäßig verliehenen Contracting-Awards bezieht sich daher auf vorbildliche Projekte für Wohngebiete, für Industrie und Gewerbe sowie für kommunale Gebäude. Sie sollen zeigen, dass Energiedienstleistungen ein wirksames Mittel sind, um signifikante Einsparungen an Brennstoffen, Emissionen und Energiekosten zu erreichen.

    „Hätte E&M den Contracting-Award nicht ins Leben gerufen, dann hätten es andere machen müssen. Seit 1998 werden Unternehmen mit dem Award ausgezeichnet, die mit klugen Energiekonzepten als Dienstleister für ihre Kunden den CO2-Ausstoß reduzieren und dabei auch noch die Energiekosten senken. Contracting heißt Energieeffizienz pur“, sagt Helmut Sendner, Herausgeber von der Fachzeitschrift Energie & Management. „Unternehmen haben hier die Chance, ihre Kompetenzen im Bereich Contracting und Energiedienstleistungen gegenüber potenziellen Kunden und Geschäftspartnern zu zeigen“, ergänzt E&M-Chefredakteur Stefan Sagmeister.

    „Wir freuen uns sehr in diesem Jahr erstmalig den Award als Partner von E&M verleihen zu dürfen. Die Projekte der Sieger zeigen eindrucksvoll, welche Möglichkeiten Contractingprojekte beim Klimaschutz bieten“, sagt Tobias Dworschak, vedec-Geschäftsführer. „Contracting ist weit mehr als nur Wärmelieferung. Contracting ist ein effektives Mittel zum Erreichen einer effizienten, klimaneutralen und wirtschaftlichen Energieversorgung der Zukunft“, so Dworschak weiter.


    Prämiert wurden in diesem Jahre insgesamt vier Projekte:

    1. Platz: E1 Energiemanagement GmbH mit dem Energiespar-Contracting-Projekt Polizeiakademie Niedersachsen

    „Das Projekt der E1 zeigt die Potenziale und Bedeutung von Energiespar-Contracting-Projekten in öffentlichen Liegenschaften. Das komplexe Projekt realisiert eine hohe Energie- und CO2-Einsparung“, sagt Dworschak, zur Entscheidung der Jury. Die Polizeiakademie Niedersachsen in Oldenburg besteht aus 19 Gebäuden, die vor der energetischen Sanierung unter anderem über drei Nahwärmenetze mit Pumpen- und Brauchwarmwasser von einer Heizzentrale aus versorgt worden sind. Die Gebäude umfassen Unterrichts- und Verwaltungsgebäude, Sporthallen, Kfz-Hallen sowie Wohngebäude und eine Energiezentrale.
    Auslöser für die Entwicklung des Pilotprojektes war die Entscheidung des Landes Niedersachsen über ein Energiesparcontracting-Projekt in der Liegenschaft mit dem Ziel, Energieverbrauch und -kosten sowie CO2-Emissionen möglichst umfassend und wirtschaftlich zu reduzieren, ohne eigene Finanzmittel einzusetzen. Die im Energiesparcontracting prognostizierte Einsparung wird dabei über die Vertragslaufzeit garantiert. Der Energiedienstleister plant und realisiert die auf die Liegenschaft zugeschnittenen Effizienzmaßnahmen, finanziert die Umsetzung und übernimmt in der Regel die Instandhaltung und Wartung der Anlagen.
     
    E1 Energiemanagement, ein Tochterunternehmen der Energie Steiermark, hat Energieeffizienzmaßnahmen, wie die Umstellung von Erdgasheizkessel auf BHKW und neue Brennwertkessel sowie eine Optimierung des Wärmenetzes und der Warmwasserbereitung realisiert. Die Beleuchtung im Innen- und Außenbereich wurde durch effiziente LED-Beleuchtung und Heizungsumwälzpumpen durch Hocheffizienzpumpen ersetzt. Über den BHKW-Einsatz wurde der Strombezug in erheblichem Maße auf Eigenerzeugung umgestellt. Außerdem erfolgte eine Stilllegung der zentralen Trinkwarmwasserbereitung inklusive Zirkulation und die Installation dezentraler Frischwasserstationen, kombiniert mit Heizungspufferspeichern für eine Schnellaufladung. Aufgrund des großen Geländes und der notwendigen Verbrauchs- und Komfortüberwachung wurden in das regelungstechnische Konzept auch Funkübertragungswege mit IoT-Devices integriert. Sichergestellt wird der Erfolg der Maßnahmen über das umfangreiche Zählerkonzept sowie das implementierte cloudbasierte Gebäudeleittechnik- und Energiemanagementsystem.

    Die E1 Energiemanagement, so Geschäftsführer Stephan Weinen, ist bereits vor Ablauf des ersten Vertragsjahres auf gutem Weg, die garantierte Energiekosteneinsparung von knapp 53 % und die jährliche CO2-Einsparung von 47,6 % zu erreichen. Begleitet wurde das Projekt von Beratern der Berliner Energie-Agentur.


    2. Platz: GASAG Solution Plus und der Gewobag mit dem Projekt Wohnpark Mariendorf

    Im Berliner Wohnquartier Mariendorf sind 807 Wohneinheiten sozial- und zugleich umweltverträglich saniert worden – eine nachahmungswerte Kombination. Teil des Konzeptes – das den 2. Platz belegt hat – ist die Belieferung der Mieter mit Mieterstrom, der direkt im Quartier erzeugt wird. Damit wird die Akzeptanz der Energiewende vor Ort erhöht. Als Basis kommen zwei Blockheizkraftwerke zum Einsatz. Spitzenlasten werden über Gaskessel abgedeckt. Neben diesen Erzeugungsanlagen wurde zusätzlich eine Power-to-Heat-Anlage in der Energiezentrale errichtet. Über die Fassade von zwei Gebäuden hinweg wurden ergänzend insgesamt rund 100 Quadratmeter Photovoltaikmodule mit einer Leistung von in 13 kWp installiert. Nach der Installation wurde die PV-Anlage noch an ein Batteriespeichersystem angeschlossen. Erweitert wurde die Energielösung des Quartiers um eine Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge, welche mit dem vor Ort erzeugten Strom versorgt werden. Die Kombination aus Mieterstrom, effizienter Erzeugung und Einsatz von erneuerbaren Energien hat die Jury überzeugt, das Projekt als 2. Sieger zu prämieren.

    Matthias Trunk, Vertriebsvorstand bei der GASAG: „Gemeinsam mit der Gewobag hat die GASAG Solution Plus ein ambitioniertes Energiekonzept umgesetzt, das alles enthält, was ein modernes Quartier benötigt – eine verlässliche und effiziente Versorgung mit erneuerbaren Energien zu sozialverträglichen Preisen. Der Wohnpark in Mariendorf ist damit ein hervorragendes Beispiel für eine leistbare Wärmewende auch im bestehenden Geschosswohnungsbau, wenn Partner jeweils ihr volles Potenzial und Know-how einbringen. Dass wir nun gemeinsam auch bundesweit ausgezeichnet werden, freut uns ganz besonders.“

    3. Platz: EWE AG und Wohnungsgenossenschaft Wildau e.G.

    Der Energiedienstleister EWE hat gemeinsam mit der Wohnungsgenossenschaft Wildau (WGW) insgesamt 191 Wohneinheiten in Wildau modernisiert. Für die Energieversorgung hat der Contractor ein hocheffizientes Blockheizkraftwerk mit 99 kW elektrischer und 173 kW thermischer Leistung sowie einer Heizkesselanlage (2x 460 kW thermisch) installiert. Die Wohnungsgesellschaft hat in diesem Projekt ihrerseits ein Heizhaus sowie ein Wärmenetz mitsamt Hausübergabestationen und Pufferspeicher mit Eigenmitteln errichtet. Zwei Puffer mit je 3.000 Leitern sowie 22 Pufferspeichern mit je 750 Litern an den Übergabestationen unterstützen das BHWK. Das Ergebnis dieser Kooperation ist ein Erfolg: Insgesamt sparen die Mieter bei der Wärmeversorgung nun bis zu 30 % der Wärmekosten ein. Der Primärenergiefaktor beläuft sich auf 0,46 und der KWK-Anteil beträgt 78 %. Zudem spart die zentrale KWK-Anlage im Vergleich zur alten Anlage118 t CO2 pro Jahr. Dieses Kooperationsprojekt zwischen EWE und WGW ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Wärmewende gelingen und gleichzeitig Kosten sparen kann.

    Innovationspreis geht an ZEAG Energie AG

    Die Jury aus Mitgliedern des VfW und von E&M haben sich in diesem Jahr entschieden, neben den regulären Preisträgern einen Innovationspreis zu verleihen. Die ZEAG liefert für das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum seit Ende 2019 Wärme aus Kraft-Wärme-Kopplung und grünem Wasserstoff.

    Die ZEAG hat für die DLR am baden-württembergischen Standort Lampoldshausen eine neue Heizzentrale mit KWK-Anlage und „grünem Wasserstoff“ realisiert. Diese Anlage koppelt direkt die Sektoren Strom/Wärme/Speicher und Industrieanwendungen und ist unter dem Namen „H2ORIZON“ (www.h2orizon.de) bekannt. Das Ziel der Anlage ist nicht nur die Versorgung, sondern auch die Möglichkeit, im industriellen Maßstab forschen zu können. Die Energieträger sind in diesem Fall Strom, Erdgas und Wasserstoff. An diesem Standort existiert ein 20-kV-Arealnetz, in das die beiden neu installierten BHKW einspeisen. Eine Besonderheit für die Versorgung sind die großen Lastspitzen durch den Prüfstandbetrieb. Der aktuelle Wärmebedarf liegt bei rund 6.600 MWh im Jahr. Die neue Heizzentrale besteht aus zwei Blockheizkraftwerken mit insgesamt 1,4 MW elektrischer und 1,6 MW thermischer Leistung. Jedes BHKW dieser Anlage verfügt über einen Wärmespeicher mit einem Volumen von 51 Kubikmetern. Die neue Anlage ersetzt die bisher verwendeten 3-MW-Ölkessel, die künftig noch als Deckung der Lastspitzen eingesetzt werden. Zudem wird zu Forschungszwecken dem Brenngas Wasserstoff in einem der beiden BHKW beigemischt. Dazu wurde eine 1 MW PEM Elektrolyse an den naheliegenden Windpark Harthäuser Wald (54 MW, 18 Anlagen) angebunden. 60 Tonnen Wasserstoff sollen darüber jährlich produziert werden. Sektorkopplung im industriellen Maßstab.

    Zur Bewerbung waren Contractingprojekte aufgerufen, die in den mittleren Leistungsbereich fallen und neue Ideen oder Kooperationsformen der Energielieferung entwickelt haben. Eine Jury aus Experten von vedec und E&M haben die Bewerbungen bewertet. Beurteilt und prämiert wird nicht vorrangig die Technik, sondern auch das übergreifende Organisations- und Betreibermodell, das sich auch auf die Übernahme und optimierende Betriebsführung vorhandener Altanlagen beziehen kann. Der Preis wird alle zwei Jahre verliehen. Der Gewinner wird mit dem traditionellen Contracting-Award in Bronze des Künstlers Robert Harbauer ausgezeichnet.

    Kontaktdaten: 
    Energie & Management Verlagsgesellschaft
    Heidi Roider
    Mühlfeld 20
    82211 Herrsching
    contracting@energiemarkt-medien.de